Peloponnes

Monday, 16 July 2012 Kategorie: mit Übernachtung, Festland , Alle Berichte

Lakonien und die Mani

Unser Ausgangspunkt war Kastro-Kyllini - unser erstes Ziel: Monemvasia.

Als Route wählten wir den Weg quer über den Peloponnes – vorbei an den Städten Kiparissia, Megalopoli und Sparta. Anfangs über gut ausgebaute Bundesstraßen, später über kurvige und abseits gelegene Gebirgsstraßen. Wir starteten also mit einem Frühstück mit Blick auf den Sandstrand – überquerten steile, schroffe Bergregionen sowie fruchtbare Täler und Ebenen mit Olivenhainen und Zitronenplantagen. Unterwegs stoppten wir in kleinen Bergdörfern entlang der Straße für einen Kaffee und ein kleines Mittagessen.  Endlich kam das Meer wieder in Sicht und damit das Ziel unserer Fahrt. Bereits von weitem sieht man den, aus dem Meer aufragenden, Felsen von Monemvasia. (moni emvasis = einziger Zugang – der Fels war früher nur durch eine Zugbrücke mit dem Festland verbunden) Auf dem Festland liegt der Vorort Gefira. Hier gibt es unterschiedlichste Hotels, Restaurants und Geschäfte. Heute führt ein kurzer Damm von hier aus hinüber auf den Burgberg der sich in eine Unterstadt mit kopfsteingepflasterten Gassen, schnuckelige Läden, Pensionen und einladende Cafes und die unbewohnte Oberstadt gliedert.

Wir fuhren ein Hotel im Vorort an, parkten dort das Auto und bezogen ein Zimmer mit Ausblick auf den Felsen. Unseren Ausflug in die historische Stadt starteten wir zu Fuß. Wir folgten der Straße die über den Damm führt. Zwar ist die kleine Brücke auch mit dem Auto zu überqueren, jedoch dürfte sich die Parkplatzsuche entlang der Straße im Sommer schwierig gestalten. Die eigentliche Stadt ist vom Festland aus kaum zu sehen. Erst nachdem man den Felsen fast umrundet hat erscheint überraschend das Tor in der Verteidigungsmauer – der Eingang zur Unterstadt. Seit dem frühen Mittelalter suchten hier die Bewohner Lakoniens Zuflucht vor herannahenden Feinden. Heutzutage kann man sich wunderbar durch das Gewirr der Gässchen treiben lassen. Die Gebäude und Kirchen wurden liebevoll renoviert und im Stil der Stadt erhalten. Viele bereits verfallene Gebäude werden und wurden wieder aufgebaut.  Nach einem Bierchen mit Blick auf die Stadt und das Meer machten wir uns auf den langen steilen Weg zur Oberstadt. Die gepflasterte Straße schlängelt sich bis zum Tor in die Oberstadt, welche Anfang des 19. Jahrhunderts von den letzten Bewohnern verlassen wurde. Eine ausgeschilderte Route führt von der Agia Sophia-Kirche zum Gipfelkastell und den Überresten der Befestigungsanlage. Viele der Besucher waren mit Wanderausrüstung unterwegs – was uns anfänglich etwas abschreckte. Jedoch war der Rundgang auch mit unseren Wander-FlipFlops ohne Probleme zu meistern. Auf dem gesamten Rundgang hat man einen hervorragenden Ausblick aufs Meer und die mittelalterliche Stadt oder das grüne Festland im Hintergrund.

Den Abend verbrachten wir im Vorort, in fußweite unseres Hotels. In einem netten Restaurant ließen wir uns ein frisches Fischgericht schmecken und beschlossen den Abend in einer kleinen Bar mit Ausblick auf den romantisch beleuchteten Felsen.

Am nächsten Tag zogen wir nach einem leckeren Frühstück weiter und folgten der Straße in Richtung Neapolis. Dort angekommen bummelten wir entlang der Hafenpromenade und erkundigten uns nach dem Preis für die Fährüberfahrt auf die vorgelagerte Insel Kithira. Zwischenzeitlich habe ich zwar vergessen, was es gekostet hätte, jedoch war es uns für einen spontanen Tagesausflug reichlich zu teuer. Weshalb wir das Städtchen wieder verlassen haben und  uns zur Südspitze dieses Fingers aufmachten. Wir fuhren kreuz und quer durch Olivenhaine und landwirtschaftlich genutzte Flächen - von einem verträumten Dörfchen zum nächsten. Oft auf abenteuerlichen Straßen, die bei uns nicht mal als Feldweg bezeichnet würden. In einem kleinen Fischerdorf am Ende der Welt stoppten wir um auf den Felsen im Hafen kurz die Füße ins Wasser zu strecken. Auf der Fahrt zurück ins Landesinnere  hielten wir kurz in einem schnuckeligen Restaurant in Agios Nikolaos. Hier hatten wir das beste Mittagessen der Welt. Anfangs waren wir die einzigen Gäste, was den Familienbetrieb in leichten Stress versetzte. Handgeschriebene Schulhefte dienten als Speisekarten und der Koch kommt direkt an den Tisch um seine aktuellen Tagesgerichte zu empfehlen. Endlich mal ein Restaurant mit überwiegend gekochten Gerichten. Als dann plötzlich ein Trupp rüstiger griechischer Rentner einfiel und den Rest des Restaurants in Beschlag nahmen – bekamen wir noch lecker weißes Schokomouse mit Anislikör zum Nachtisch.

Nach diesem unerwarteten Volltreffer folgten wir der Küstenstraße nach Pounta von wo wir mit der Fähre auf das Inselchen  Elafonisos übersetzten. Diese ist nur etwa 1 KM vom Festland entfernt. Viele griechische Touristen nutzen die Insel wegen der schönen Sandstrände für Badeaufenthalte. Eigentlich wollten wir hier übernachten - nachdem die Insel aber doch recht beschaulich ist entschieden wir uns dagegen und (wo wir ja schon mal da waren) nutzen die Gelegenheit uns bei einem Bad an einem der paradiesischen Strände zu erfrischen. Am späten Nachmittag fuhren wir mit der Fähre wieder zurück nach Pounta und von dort aus direkt nach Githion. Die 2 stündige Fahrt führt vom Meer immer wieder durch die Berge, die Ausläufer des Taygetos-Gebirges, und zurück zum Meer. Im Schatten Spartas stieg Githion zu einem der wichtigsten Häfen auf, bevor sie von den Athenern zerstört, und von den Römern übernommen wurde, weshalb von der antiken Stadt nur wenig erhalten blieb.

Wir suchten uns ein Hotel indem wir an den schönsten einfach nach dem Preis fragten. So fanden wir auch ein gutes und günstiges Hotel direkt an der Hafenpromenade.  Jetzt schnell die Tasche ins Zimmer verfrachtet, duschen und schick machen und raus ins abendliche Treiben. Wir fanden auch ein interessantes Restaurant im Piraten-Stil, in dem wir allerdings nicht beachtet wurden. Die Angestellten waren mit dem halb gefüllten Gartenbereich scheinbar total überfordert. Macht ja nichts – wir entschieden uns darauf hin für das nahe gelegene Bistro direkt am großen Platz am Hafen. Hier heißt es sehen und gesehen werden. Nachdem unser Reiseführer behauptet hat, zur abendlichen Volta (Spaziergang, Schlendern) gehört es, hinüber auf die kleine Insel Marathonisi zu laufen, schlenderten wir über den künstlich angelegten Damm. An der Spitze der Insel steht ein Leuchtturm und in dem Wäldchen davor der zinnengekrönte Wohnturm Tsanetakis-Tower, mit dem historisch-ethnologischen Museum darin.  Von dem Inselchen aus hat man einen unvergesslichen Blick auf die schillernden Lichter der Stadt. Auf dem Rückweg gönnten wir uns noch einen Schlummertrunk in der Bar vor unserem Hotel, wo wir direkt an der Hafenmauer das quirlige Treiben beobachteten.

Am nächsten Morgen starteten wir unsere Rundfahrt durch die Innere und Äußere Mani. Die Mani ist für ihre steinernen Wohntürme bekannt. Seit dem 17ten Jahrhundert schlossen sich die Familien eines Dorfes zu Sippen zusammen, um sich gegen Feinde, aber auch Nachbarn zu verteidigen, mit denen es ständig Auseinandersetzungen wegen des lebensnotwendigen, kargen Landes gab. Diese Fehden zogen sich oft über Generationen hin – es galt bis vor wenigen Jahren das Gesetz der Blutrache,  welche die Wohntürme, die wie kleine Festungen gebaut sind, erforderlich machten.

Von Githion aus fuhren wir durch viele kleine Ortschaften. Überall ist man darauf bedacht, die Häuser und das Ortsbild im Original zu erhalten. Die Häuser werden im Stil der Wohntürme renoviert oder wieder aufgebaut. Alle Straßen und Plätze sind mit den typischen Steinen der Mani gepflastert. Die Landschaft ist karg aber dennoch traumhaft schön. Unterwegs hielten wir an einem kleinen Friedhof. In der felsigen Landschaft werden die Gräber nicht in den Boden gegraben, sondern viele kleine Häuschen bilden eine eigene Ortschaft. Diese Häuschen verfügen jeweils über eine schmale Tür und meist 2 Fensterchen. Im inneren ist in der Regel rechts und links ein steinernes Grab und viel Schmuck, Fotos und Andenken. Trotz Sonnenschein irgendwie etwas gruselig – wie ein Minidorf, in dem die Einwohner alle gerade nicht da sind…

Wir folgten der östlichen Küstenstraße in den kleinen Fischerort Porto Kagio, wo wir uns in einer Taverne direkt am Strand ein schnelles Mittagessen genehmigten. Die kleine Bucht liegt ruhig umgeben von hohen Bergen. Die einzige Straße dorthin schlängelt sich steil durch karge Felsen und grüne, fruchtbare Täler. Die Temperaturen schwanken je nach Landschaft von (im Juli) 35 Grad am Meer zu 19 Grad im Hochland. In den fruchtbaren Gegenden stößt man gelegentlich auch auf riesige Ziegen- oder Rinderherden.

Die Straße endet im Süden in der Bucht Asomatos. Von hier aus führt ein Fußweg zum südlichsten Ausläufer des griechischen Festlands (dem zweitsüdlichsten Punkt des europäischen Festlandes), dem Kap Tenaro. Bei 35 Grad und gleisendem Sonnenschein verzichteten wir auf den 30 minütigen Weg zum Leuchtturm an der Südspitze, welche den Messenischen vom Lakonischen Golf trennt. Ein weiterer Fußweg führt zur Asomatos-Kirche – früher der Tempel des Poseidon – und der östlich davon gelegenen Höhle, die als Eingang zur Unterwelt galt.

Auf der Rückfahrt entlang der Westküste stoppten wir im Örtchen Harouda, um die Agios-Taxiarchis-Kirche, die innerhalb der hohen Friedhofsmauern gelegen ist, zu besichtigen.  Beim Bau dieser Kirche wurden auch antike Baumaterialien verwendet. Um die Kirche im inneren zu besichtigen, soll man einfach bei einem der Dorfbewohner klingeln. So aufdringlich wollten wir dann aber doch nicht sein.

Unterwegs nach Areopolis, der Trennlinie zwischen innerer- und äußerer Mani, liegen die Höhlen von Pirgos Dirou, die meistbesuchte Sehenswürdigkeit der Mani. Eine gut ausgebaute Straße führt zu dem gleichnamigen Ort, der sich zwischenzeitlich auf die Touristen eingestellt hat und von dort aus weiter zu den Parkplätzen und dem Einlass zum Strand und den Höhlen. Man fährt mit dem Auto bis zur Schranke, kauft dort die Tickets und wird dann entweder auf die wenigen unteren Parkplätze geleitet oder auf den großen,  oberhalb gelegenen Parkplatz geschickt. Am Eingang zu den Höhlen werden die Touristen in kleine Gruppen eingeteilt und mit kleinen Booten durch die Höhlen gegondelt. Der Höhlenfluss Glyfada passiert mehrere Höhlen die alle eindrucksvoll ausgeleuchtet sind. Am Ende der Bootsfahrt führ ein kurzer Fußmarsch zum Ausgang am Meer. Von hier aus kann man das Restaurant besuchen, oder am Kiesstrand langsam wieder auftauen.

Hier beendeten wir leider unseren Ausflug und machten uns auf den Rückweg nach Kastro – unserer zweiten Heimat. Die beiden Lakonischen Finger haben uns die Schönheit und Wandelbarkeit der Peloponnes gezeigt. Dieser Ausflug kann gut auf eigene Faust vorgenommen werden - ohne vorher groß geplant zu werden. Viele archäologische Stätten sind an den Straßen ausgeschildert. Viele Ortschaften bestechen durch ihren Charme – man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Einfach mal drauf losfahren – es rentiert sich bestimmt…

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